Simona Dobrescu Bonus

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Bonus-Szene


Nicht genug bekommen von VV? ❤️

Hier ein kleines Dankeschön an euch - eine der Szenen, die es nicht in das Endskript geschafft haben.


Enjoy!


xo,


Simona


Eine Stunde später tauchte er reumütig mit über einem Dutzend roter Rosen bei uns auf und entschuldigte sich bei mir vor meiner ganzen Familie. Der Text war dermaßen aufrichtig und sein Ausdruck während er ihn vortrug zerknirscht und traurig genug, dass nicht nur ich sondern auch meine Tante ergriffen zuhörten. Selbstverständlich nahm ich seine Entschuldigung – erneut – an und war nicht halb so gut darin ihnen weiszumachen sie wäre mir Neu, aber sie glaubten uns und Marc freute sich tatsächlich als wir ihn fragten, ob es in Ordnung sei, wenn sein kleiner Bruder Aiden und er zum Freibad dazu stießen.

Die nächsten Stunden flogen dahin und ich ertappte mich sogar dabei Star Wars gut zu finden – die Geschichte eines Auserwählten, den die Dunkle Seite anzieht.

Willkommen im Club, Anakin.

Wir aßen in Aidens Lieblings-Fast-Food-Restaurant und fuhren dann ins Freibad, wo ich die beiden Jüngsten nach Wellenkämpfen, Wasserschlachten und Eisgelage am Ende nur zum Heimfahren bewegte, weil ich sie mit Frozen Yogurt bestach.

Laut Marc war das einer der coolsten Tage in seinem Leben, es verwunderte nicht, dass er Morgan noch auf der Schwelle unserer Eingangstür anflehte, wir mögen das bald wiederholen. Nächster Halt: Counter Heights. Aiden war noch vor Mainfield auf dem Rücksitz eingeschlafen und wurde, kaum daheim, von seinem Bruder ins Bett getragen während ich mich in meiner Müdigkeit daran zu erinnern versuchte aufrecht zu stehen und abzuhalten mich hinterher zu teleportieren.

„Endlich allein“, hörte ich ihn an mein Ohr sagen.

Ich stieß mich vom Treppengeländer im Untergeschoß ab und lächelte. „Wohin möchtest du?“

„Oh, mir fällt da schon was ein.“

Er reichte mir die Hand und wir gingen hinaus und in Richtung der zweiten Garage, die ich nie betreten hatte. Er bat mich zu warten und ich sah ihn darin verschwinden und kurz darauf ein Motordröhnen.

„Gibt es irgendetwas, dass du nicht kannst?“, fragte ich und blickte fasziniert auf das Motorrad, das er Sekunden später neben mir zum Halten brachte.

„Steig auf“, sagte er und warf mir einen Helm zu, „und: Nein.“

Lachend legte ich ihn mir um und er hielt mich an, ich solle mich stets festhalten, da öffnete das Tor und wir preschten davon. Die Landschaft, die Natur um uns, der Wald dessen hell- und dunkelgrüne Farbe im starken Kontrast zu dem grauen Asphalt der Landstraße stand flogen an uns vorbei. Hin und wieder huschte ein Tier nah an den Fahrbahnrand und zurück hinein in die sicheren Schatten der Bäume. Und dann hielten wir an.

„Wieso haben wir das nicht schon früher gemacht?“, fragte ich ihn als ich abstieg und ihm den Helm reichte.

„Weil ich am liebsten alleine fahre.“

„Und warum heute die Ausnahme?“

„Weil ich dich mit Gabriel gesehen habe.“

„Männer und ihre Egos“, seufzte ich und betrachtete den Bau vor mir. „Wo sind wir?“

„Telney Mall“, antwortete er und nahm meine Hand, zog mich zum Eingang des nagelneuen Gebäudes. Geschätzte zehn Fußballstadien passten da rein.

„Wann ist die Eröffnung?“

„Nächstes Wochenende – aber heute gibt es eine Generalprobe.“

Er drückte einen in der Wand eingelassenen Knopf neben den Eingangstüren und sie glitten beiseite. „Und wir sind die Tester.“

„Wow“, ich betrat ein riesiges Rondell in dessen Mitte ein Musik-Brunnen Wasser spie und schaute hoch wo Glasplatten in eine Kuppel eingelassen waren. „Es gehört euch?“

„Ja.“

„Warum nicht Vegard Mall?“

„Weil es die schon gibt – und das ein neues Konzept werden soll. Shopping und Kultur in einem.“

„Du meinst Luxus-Shopping“, korrigierte ich und lächelte den freundlichen Verkäuferinnen zu meiner rechten zu, die mir mit weißen Handschuhen die Boutiquetür aufhielten.

„Du gehst mit Mathilda und ich bin gegenüber. Wir treffen uns in einer halben Stunde.“

„Wer ist -

„Miss Melody?“, eine der Damen knickste vollendet galant vor mir, „mein Name ist Mathilda Cartney. Ich bin ihre Shoppingberaterin für heute.“

Ich starrte an ihr vorbei zu Morgan. „Ich brauche keine neuen Kleider.“

„Viel Spaß beim Stöbern“, erwiderte er und küsste mich kurz. „Denk dran: Du hast eine halbe Stunde.“

Damit übernahm Mathilda und führte mich in die Boutique mit dem goldenen Medusakopf.

Pünktlich nach Ablauf der Zeit stand ich in einem figurbetonten, sündhaft teuren marineblauen Kleid mit schwarzen Reißverschlüssen und wartete auf Morgan als sich jemand neben mir räusperte und mein Mund aufklappte: In seinem schwarzen Anzug, mit Jackett und Manschettenknöpfen, wirkte er wie ein Countryclub-Gentleman indes er meine Hand zum Mund führte und sie küsste.

„Bezaubernd“, sagte er und musterte mich.

„Ebenfalls“, mein Blick schweifte zu Mathilda, der er soeben dankbar zunickte. „Morgan? Was haben wir vor?“

„Zuerst Dinner“, damit nahm er mich in den Arm und wir befanden uns im nächsten Moment auf der zweiten Ebene vor eine italienischen Restaurant, wo ein weiterer Angestellter wartete und uns nun höflich die Tür aufhielt. Drinnen war die Beleuchtung gedimmt und nur ein einziger Tisch in der Mitte des weitläufigen Raumes gedeckt. Ein Pianist setzte sich, entfaltete seine Blätter und begann ein klassisches Stück von Puccini sobald wir zu dem Tisch schritten und Morgan mir den Stuhl zurechtrückte. Neben dem geschickten Spiel des Mannes waren die Absätze meiner Schuhe das einzig vernehmbare.

„Warum?“, war alles was ich herausbrachte, nachdem ein weiterer Kellner uns Rotwein einschenkte und erklärte, die Vorspeise sei in wenigen Minuten servierbereit.

„Weil wir eine bestandene Prüfung feiern.“

„Aber“, ich hielt inne und lauschte gebannt der wundervollen Musik, „warum hier? Und wieso nicht nächstes Wochenende?“

„Nächstes Wochenende gibt meine Familie eine Party – du bist einer der beiden Hauptgäste.“

„Yale“, sagte ich leise.

„Es muss gefeiert werden.“

Ich legte mir die Serviette auf den Schoß und seufzte. „Ehrlich gesagt, weiß meine Familie noch nichts davon.“

„Gibt es einen Grund, warum du es ihnen verschweigst?“

Ich versank regelrecht in seinen aufmerksamen Augen und fühlte zum wiederholten Mal an diesem Tag, wie sehr er ich ihn vermisst hatte. Unruhig tastete ich nach meiner Gabel, fuhr sie nach und tat dasselbe mit dem Messer. Weil ich mich zwang beides hinzulegen, ergriff er sie und hielt sie fest.

„Mimi?“

„Es fällt mir schwer. Maddy und Trevor würden sich zweifellos für mich freuen. Sie würden ausrasten vor Stolz! Aber habe ich es ihnen erst erzählt, muss ich mir automatisch einen Grund einfallen lassen, warum ich am Ende doch nicht hingehen werde.“

„Warum solltest du das nicht?“

Die Verwirrung in seinem Ton war zwar sachte, aber da.

„Weil wir im Schloss leben werden, sobald du die Nachfolge antrittst?“

„Wer sagt das?“

Meine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, „Grace.“

„Das war das Schicksal meiner Mom. Mimi, wir sind die nächste Generation. Wir machen es, wie wir es wollen.“

Ich hielt inmitten meiner herumwirbelnden Gedanken inne.

„Wir können - nach Yale?“, flüsterte ich fassungslos, aus Angst ich könnte mir seine Aussage nur eingebildet haben.

„Wir gehen nach Yale.“

Morgan lachte als ich immer noch die Luft anhielt. „Das war es also was dich so beschäftigt hat?“ Amüsiert spielte er gedankenverloren mit meinem Ringfinger. „Warum hast du mir nicht gesagt, was du auf dem Herzen hast?“

Der Kellner servierte uns die Zuppa di Pomodore, zündete eine Kerze an und stellte sie zwischen uns. Im Schein der Flamme waren seine Gesichtszüge, jetzt da er mich wartend anlächelte, weich und erleichtert. Mein Herz schmerzte bei dem Gedanken, wie lange ich ihn nicht mehr derartig entspannt, derartig nah gesehen hatte.

„Du hast mir sehr gefehlt.“

Ein flüchtiger Schwarm Lichter spiegelte sich in seine Augen, bevor er sich vorlehnte und meinen Blick in seinem gefangen hielt. „Du mir auch.“

Mit einem glücklichen Grinsen nahm ich den Löffel in die Hand und rührte die Sahnehaube vorsichtig ein. Natürlich war ich ihm eine Antwort schuldig. „Ich hatte Angst vor deiner Antwort.“

Er nahm die Pfeffermühle und bedeutete mir über den Tisch hinweg weiterzureden, als ich ausführte: „Das du sagen könntest, es sei nun Mal meine Bestimmung und was vorher war, zähle nicht mehr und weißt du was?“, ich zuckte die Schulter, „du hättest Recht damit gehabt.“

„Warum hätte ich mich sonst für Yale beworben?“

„Alibi? Du bist in deinem Abschlussjahr.“

„Hör auf dir zu viele Gedanken zu machen. Oder, besser: Mach dir die richtigen. Wo willst du wohnen? Hartford? In eurem alten Haus? Bei Verwandten? Auf dem Campus? Drumherum?“

„Wow“, ich lachte ob seiner Euphorie. „In deiner Nähe?“

„Das wird nicht schwer.“

„Weil?“

„Wir zusammen ziehen werden.“

„Geht das nicht etwas schnell?“, grinste ich.

„Du willst in der Hölle in einem Schloss mit Blick auf das Fegefeuer mit mir leben - aber nicht auf der Erde während des Studiums?“

„Was soll ich sagen? Ich wollte schon immer eine Prinzessin sein.“

„Herzlichen Glückwunsch – du bist eine.“

Ich warf mit einem Brotstück nach ihm und er fing es auf und tunkte es in die Suppe.

„Guten Appetit, Morgan.“

„Lass es dir schmecken, Mimi.“

Als ich Stunden später ins Bett fiel, hatte ich die Generalsprobe von „Viel Lärm um Nichts“ gesehen und ebenfalls im Kulturtrakt der Mall eine Ausstellung von Kandinsky. Dafür hatten wir uns in mehreren Süßigkeiten-Läden Proviant zusammengestellt, und den allerersten Bubble Tea des Ladens probiert. Im Anschluss an Shakespeare Komödie hatte mich Morgan auf einen Cocktail eingeladen bevor wir mit den Rolltreppen zu den Spielhallen gefahren waren, wo ich ihn gnadenlos in jedem der Rennsimulationen besiegt hatte, um schließlich in der größten Buchhandlung der Welt über ein Dutzend Reiseführer zu kaufen, von Orten die wir auf jeden Fall besuchen wollten. Neben dem Stapel an Büchern, war die selbstgemachte Seife, die nach Karamell und Honig roch, das Einzige was ich haben wollte, obwohl er mich zufällig an mehreren unmöglich kostspieligen Juweliere vorbeigeführt und sogar in eine Taschenboutique gelockt hatte. Ich hatte klargestellt, er könne mir gerne einen Schlüsselanhänger kaufen und das tat er – passend dazu auch noch eine Tasche, in den man jenen in der Innentasche einrasten konnte.

„Für die Schule“, hatte er erklärt, „weniger Bücher bedeutet weniger schleppen.“

Die Tasche war geschätzt die Hälfte meiner alten.

Damit ich nicht auf die Idee kam sie zurückzubringen, ließ er vor Ort meine Initialen in das Leder prägen.

Auf dem Rückweg schlief ich fast auf dem Motorrad ein und da ich jetzt den Kopf drehte und verstand, dass es nach 2 Uhr war, ließ ich den Tag Revue passieren.

„Ist es nicht erstaunlich, wie die letzten Wochen normal weiterliefen? Du hast dein Leben geführt und ich meins und obwohl es wie immer war, war es doch ganz anders?“

Er legte sein Hemd über einen Bügel, hing ihn im Schrank auf und stieg dann die Treppen zum Bett hoch.

„Hmmm“, hörte ich ihn murmeln, indes er die Uhr abnahm und auf den Nachttisch stellte. „Genaugenommen war nichts wie immer.“

„Weil ich nicht dabei war sondern Jenna und du sie nervtötend, klettend und überhaupt nicht anziehend fandest, sondern dir ständig gewünscht hast sie würde mit einem großen Puff verschwinden und ich an ihrer Stelle endlich wieder da sein?“, grinste ich und streckte mich genüsslich.

Absolute Stille quittierte die Frage. Sein Blick war undurchdringlich aber ernst und obwohl ich mich ihm mit einem neuen Spruch auf den Lippen zudrehte, erlosch mein Lächeln ob seiner Miene abrupt.

Ich richtete mich auf und hob eine Augenbraue. „Morgan, das sollte doch nur ein Scherz -

„Nein“, schüttelte er den Kopf und fuhr sich erschöpft übers Gesicht. „Es war die perfekte Zusammenfassung.“

Zufrieden mit der Antwort ließ ich mich zurück in die weichen Kissen fallen.

„Wäre ich mit jemand anderem ausgegangen wäre, hätte ich mich auch nach dir gesehnt.“

„Na ein Pech, dass du es nicht versucht hast.“ Ich pustete mir eine Strähne aus den Augen und er legte sich hin und drehte sich mir zu. Meine Finger verschränkten sich mit seinen als er mir die Haare hinters Ohr strich. „Das Trikot steht dir übrigens.“

Ich fuhr über den luftigen Stoff. „Die Nummer 8?“

„Ja.“

„Flirtest du etwa mit mir?“

„Ja“, lächelte er und zog mich in seine Arme.

„Damit ich nächstes Spiel wieder dabei bin?“

„Damit du niemals einen Grund hast, mit einem anderen auszugehen.“

Ich schaffte es kaum meine Augen aufhalten. „Werde nicht absurd.“

„Gute Nacht, Mimi“, er küsste meine Stirn und lächelte, weil meine Hand unter sein Shirt glitt um die Wärme seiner Haut besser zu spüren.

„Gute Nacht.“

Während ich mich fragte ob der Vorhof wieder sicher wäre entglitt ich bereits dorthin.

Wie sich herausstellte, hatte ich mir darüber umsonst Gedanken gemacht.